Ausbau des Verkehrswesens

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Ausbau des Verkehrswesens

Die aufkommende Industrialisierung, wie auch die Erfolge in der Landwirtschaft, waren abhängig von dem Ausbau des Verkehrswesens mit besonderem Schwerpunkt beim Eisenbahnbau. Erste Bemühungen der Oldenburger, um 1850 eine Bahnverbindung nach Westfalen zu erreichen, scheiterten am Widerstand der hannoveranischen Regierung, aufgrund des Landverkaufs Oldenburgs am Jadebusen an Preußen. Diese Bahnverbindung hätte sich sehr positiv auf die Münsterländische Geest ausgewirkt. So mußte das Gebiet noch einige Jahrzehnte im infrastrukurellen Ödland verharren. 1867 war es dann soweit, die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn GOE nahm ihren Betrieb auf. Die Strecken Oldenburg - Bremen und Oldenburg - Wilhelmshaven wurden von der Bevölkerung sehr gut angenommen und der Erfolg der Eisenbahn übertraf alle Erwartungen. Nicht nur, daß die Baukosten niedriger ausfielen als veranschlagt, auch die Züge wurden für den Versand von Gütern aller Art rege genutzt, so daß die Einnahmen schneller stiegen als die Ausgaben. Die anfangs bestehende Skepsis der Landesregierung wurde überwunden, und so folgten schnell weitere Strecken: 1869 Oldenburg - Leer, 1871 Sande - Jever, 1873 Hude - Brake, 1875 Brake - Nordenham, 1875 Oldenburg - Quakenbrück, 1876 Quakenbrück - Osnabrück, 1876 Irhowe - Neuschanz. Im Jahre 1900 war das Streckennetz auf 573 Kilometer angewachsen und die GOE betrieb 132 Lokomotiven, 78 Tender, 220 Personen- und 1480 Güterwagen. Es waren 3224 Menschen im Dienste der GOE eingestellt. Im gleichen Jahr standen den Ausgaben von 7 472 952 Mark Einnahmen von knapp 10 Millionen Mark gegenüber. Gerade die Landwirtschaft profitierte von der Eisenbahn. Nicht nur, daß landwirtschaftlichen Betrieben ein Sondertarif eingeräumt wurde, sie konnten auch ihre Argraerträge nun auf weiter entfernten Absatzmärkten absetzen. Zum anderen wurde der Düngemittelversand zum größten Teil über die GOE abgewickelt. Für Hans-Jürgen Gaida "... leitete die Eisenbahn den Wandel des Herzogstums von einem Agrarland zu einem Industriestaat ein". Doch das ist zu positiv formuliert. Die Eisenbahn gehört unabstreitbar zu den wichtigsten Faktoren für die Industrialisierung und die Erfolge in der Landwirtschaft. Besonders das Wachstum der Industriestadt Delmenhorst und des Unterweserraumes um Nordenham sind ohne den Eisenbahnanschluß und die damit verbundenen Marktverflechtungen kaum vorstellbar. Doch den angesprochenen Wandel konnte auch sie nicht erreichen. 1907 lagen die Beschäftigungszahlen in der Landwirtschaft im Herzogtum immer noch ca. 11 Prozent über dem Reichsdurchschnitt.